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Neuigkeiten
31.03.2010, 16:01 Uhr | Berliner Zeitung/Peter Neumann Übersicht | Drucken
Im Osten was Neues
Die Vollendung der Tangentialen Verbindung wäre sinnvoll, so eine Studie

Im Norden ist sie seit Jahrzehnten fertig, im Süden zum Teil. Doch zwischen Biesdorf und Köpenick klafft eine mehr als sechs Kilometer lange Lücke in der Tangentialen Verbindung Ost (TVO), die einmal Marzahn mit Adlershof verbinden soll. Eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung im Auftrag des Senats gibt all jenen, die sich für die Fertigstellung dieser Nord-Süd-Trasse einsetzen, Auftrieb. Danach wäre der errechnete Nutzen sieben Mal so hoch wie die Kosten, sagte Mathias Gille, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Gegner eines anderen Projekts, der Verlängerung der A 100 zur Straße Am Treptower Park, schöpfen ebenfalls neue Hoffnung. Sie meinen, dass die TVO die Autobahn überflüssig machen würde. "Sie ist kein Ersatz", entgegnete Gille. Der Senat halte an der Planung für die A 100 nach Treptow fest. Dies sehe der Koalitionsvertrag vor, sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) gestern.



Für das TVO-Mittelstück gibt es keine konkreten Planungen. Dabei fordern nicht nur die Bezirke Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick, sondern auch viele Bürger, die Lücke zu schließen - zum Beispiel Anlieger der Köpenicker, der Chemnitzer und der Kaulsdorfer Straße in Biesdorf-Süd. Über diese Strecken quält sich der Durchgangsverkehr derzeit. Als der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) 2008 den Verkehr in der Köpenicker Straße ermitteln ließ, machten die Zähler pro Stunde bis zu 1 671 Striche. Am Nachmittag fuhr im Durchschnitt alle zwei Sekunden ein Kraftfahrzeug vorbei.

Das Mittelstück der TVO würde die Märkische Allee im Norden mit der Spindlersfelder Straße verbinden. Bisherige Konzepte sehen eine zweispurige Stadtstraße vor, die entlang der Bahntrasse des Berliner Außenrings verläuft. Der VDGN fordert, dass die neue Straße westlich der Eisenbahn entsteht, weil sonst Häuser abgerissen werden müssen.

"Dafür müssten aber Teile des Tierparks und des Flora-Fauna-Habitats Biesdorfer Sand in Anspruch genommen werden. Beides wäre nicht durchsetzbar", sagte Jutta Matuschek, Verkehrspolitikerin der Linken. Zudem würde das Nutzen-Kosten-Verhältnis auch nur vier zu eins betragen. Den Faktor sieben gäbe es nur, wenn das TVO-Mittelstück auf der Ostseite der Bahn verliefe. Matuschek ist keine Verfechterin des Straßenbaus. "Doch wenn sich ein Verkehrsbedürfnis dafür ergibt, sollte dieses Projekt genauer geprüft werden" - auch daraufhin, ob die Nord-Süd-Trasse sinnvoller wäre als die geplante Verlängerung der Autobahn A 100 nach Treptow.

"Die TVO ist keine Alternative zur A 100", sagte Senator Wolf. Sie würde sich nur "lokal auswirken", so Gille. Zudem müsste das Land die Baukosten von mindestens 40 Millionen Euro alleine tragen, weil es sich um eine Stadtstraße handelte. "Dann müssten andere Verkehrsprojekte, zum Beispiel die Erweiterung des Straßenbahnnetzes, zurückstehen." Dagegen würde der Autobahnbau vom Bund finanziert.

"Die TVO ist genauso unerlässlich wie die A 100", sagte der FDP-Fraktionschef Christoph Meyer. Doch Jutta Matuschek, die derselben Partei wie Harald Wolf angehört, lehnt die A 100 weiterhin als "stadtzerstörerisch" ab. Sie geht davon aus, dass der Linken-Parteitag am 24. April gegen das vom Senat geplante Bauprojekt stimmen wird.

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Koalitionskrach steht bevor

Taufrisch ist das Thema nicht. Das Projekt, den Osten und den Südosten mit einer leistungsfähigen Straße zu verbinden, fand sich schon 1969 im Generalverkehrsplan der Hauptstadt der DDR. In den Siebzigerjahren entstand mit der Großwohnsiedlung Marzahn das nördliche Teilstück der TVO - heute die Märkische Allee.

Erst nach der Wende wurde das erste südliche Teilstück fertig. Seit 2002 führt die Spindlersfelder Straße von An der Wuhlheide zur Oberspreestraße. Herzstück ist die 155 Meter lange Wilhelm-Spindler-Brücke über die Spree. Seit 2007 geht es weiter zum Glienicker Weg. Die Fortführung zum Adlergestell soll 2013 dem Verkehr übergeben werden.

Die neue Nord-Süd-Verbindung kann die Verlängerung der A 100 nicht ersetzen, so der Senat. 2011 soll der Bau des 16. Abschnitts (Neukölln-Treptow) beginnen. In der Linken dominieren die Gegner dieses Projekts. Noch im Frühjahr wird Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) darum bitten, die von der SPD und der Linken gesperrten Planungsgelder freizugeben. Dann könnte es zum Koalitionskrach kommen.



aktualisiert von Internetredaktion, 14.06.2010, 16:12 Uhr


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