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Presse
22.10.2009, 16:00 Uhr | Berliner Zeitung Übersicht | Drucken
Schnellstraße statt Nadelöhr
Senat prüft Weiterführung der Tangentialverbindung Ost


Von Claudia Fuchs

Wenn auf der Treskowallee in Karlshorst der morgendliche Berufsverkehr beginnt und auf der vierspurigen Straße ein Lastwagen entlangfährt, klirren in den Wohnungen der Anwohner die Gläser im Schrank. Und sie klirren häufig. "Zwischen 5 und 7 Uhr fährt alle 17 Sekunden ein Bus, ein Lkw oder ein Schwerlasttransporter auf der Treskowallee", sagt Georg Abel, Vorsitzender des Bürgervereins Karlshorst. Das habe eine Zählung am 7. Oktober ergeben, einem Mittwoch. Die Belastung habe in den vergangenen Jahren zugenommen, so Abel: "Viele Lkw sparen Maut und fahren nun durchs Stadtgebiet." Doch nicht nur Lastwagen sind auf der Treskowallee unterwegs: Etwa 40 000 Fahrzeuge fahren Tag für Tag auf der Verbindungsstraße zwischen Hohenschönhausen und Schöneweide.


Nicht verwunderlich, dass viele Karlshorster die Tangentialverbindung Ost befürworten, die TVO. Die seit Langem geplante Schnellstraße soll entlang der Bahnstrecke zwischen Karlshorst und Biesdorf verlaufen und könnte in beiden Ortsteilen zu einer Reduzierung des Durchgangsverkehrs führen. Bereits 1969 entstand der Plan, den Osten und Südosten Berlins durch eine mehrspurige Schnellstraße zu verbinden. Als in den 1970er-Jahren der Bau von Marzahn begann, wurde mit der damaligen Heinrich-Rau-Straße (heute Märkische Allee) der erste Abschnitt der TVO gebaut. Von 1999 bis 2007 wurde der Abschnitt in Köpenick gebaut.

Lange war auch der Bau des etwa fünf Kilometer langen mittleren Abschnitts geplant, dann aber auf das Jahr 2035 verschoben worden. Weil das jedoch in den Bezirken auf Widerspruch stieß, prüft nun die Stadtentwicklungsverwaltung, ob die TVO nicht doch eher vollendet werden könnte.

"Wir erarbeiten zurzeit sowohl eine Verkehrsuntersuchung als auch eine Machbarkeitsstudie", sagt Heribert Guggenthaler, Leiter des Referats Straßenplanung. Untersucht werde, wie sich die Verkehrsströme in den folgenden Jahren entwickeln; die Studie gehe der Frage nach, welche Folgen der Bau der Trasse haben und wie die Straße verlaufen könnte. Letztlich aber sei die Entscheidung eine politische, mit der auf Landesebene nicht vor kommendem Jahr zu rechnen sei.

Befürworter der TVO gibt es vor allem unter den Anwohnern jener Viertel, die derzeit unter dem starkem Durchgangsverkehr in Nord-Süd-Richtung zu leiden haben - betroffen sind neben der Treskowallee vor allem die Köpenicker Straße in Biesdorf und die Chemnitzer Straße in Kaulsdorf. Deshalb plädiert vor allem der Bezirk Marzahn-Hellersdorf für den Bau der Trasse. "Wir brauchen die TVO ganz dringend", sagt Wirtschaftsstadtrat Christian Gräff (CDU). Bereits vor einem Jahr hatte der Bezirk an die Berliner Abgeordneten geschrieben und sie gebeten, sich für die Weiterführung der TVO einzusetzen - auch, um die Unternehmen besser an den Straßenverkehr anzubinden. Dass nun eine Studie in Auftrag gegeben wurde, wertet Gräff als Erfolg. "Ohne uns gäbe es die gar nicht."

Der Nachbarbezirk Lichtenberg würde sich dem Bau der TVO "nicht entgegenstellen", sagt Wirtschaftsstadtrat Andreas Prüfer (Linke), für unbedingt nötig hält er die Schnellstraße allerdings nicht. "Mir leuchtet nicht ein, warum man zu viel Straßenverkehr mit Straßenbau bekämpfen will", sagt er. Gleichwohl hält auch er eine verbesserte Anbindung der Gewerbegebiete für sinnvoll. Aus seiner Sicht sei die TVO allerdings vor allem für die Marzahner ein Thema.

In Karlshorst, das zu Lichtenberg gehört, sieht man das anders. Trotz großer Beliebtheit und steigender Einwohnerzahlen habe Karlshorst wegen des vielen Verkehrs keine Aufenthaltsqualität, kritisiert Georg Abel von Bürgerverein. Er ist sicher, dass mit der Eröffnung von Ikea an der Landsberger Allee (2010) und dem Großflughafen BBI (2011) noch mehr Autos durch Karlshorst rollen werden. "Wir wollen, dass die Politik das Thema endlich angeht."

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Diskussion zur TVO: Motto "Mehr Lebensqualität, mehr Arbeitsplätze", Montag, 26. Oktober, 19 Uhr, Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112, u. a. mit Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke), Peter Ohm (Präsident Verband Deutscher Grundstücksnutzer) sowie Vertretern von SPD, CDU und Grünen.



aktualisiert von Internetredaktion, 23.10.2009, 16:02 Uhr

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